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Mit dem neuen GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz hat die schwarz-rote
Bundesregierung umfangreiche Änderungen in der gesetzlichen
Krankenversicherung beschlossen. Ziel ist es, die steigenden Ausgaben der
Krankenkassen zu begrenzen und die Beitragssätze zu stabilisieren.

Besonders kritisch sehen Fachverbände die Auswirkungen auf die
psychotherapeutische Versorgung: Psychotherapeutische Leistungen
werden künftig wieder budgetiert, gleichzeitig entfällt ein bisheriger
Schutzmechanismus, der eine angemessene Vergütung sicherstellen sollte.
Berufsverbände befürchten deshalb wirtschaftliche Nachteile für Praxen
und warnen vor weniger Therapieplätzen sowie längeren Wartezeiten. Die
Bundesregierung hält dagegen, dass die Versorgung insgesamt gesichert sei
und die Änderungen nur begrenzte finanzielle Auswirkungen hätten.

Als Kolpingjugend Diözesanverband Münster betrachten wir diese
Entwicklung mit großer Sorge.

Wir vertreten die Interessen junger Menschen und erleben täglich, welche
Themen sie bewegen. Psychische Gesundheit nimmt dabei einen immer
größeren Stellenwert ein. In Gesprächen, bei unseren Bildungsangeboten
und im ehrenamtlichen Engagement wird deutlich, dass Belastungen wie
Leistungsdruck, Zukunftsängste, Einsamkeit oder Krisenerfahrungen viele
junge Menschen beschäftigen. Sie wünschen sich eine Gesellschaft, in der
psychische Erkrankungen ernst genommen werden und Hilfe
selbstverständlich erreichbar ist.

Damit junge Menschen ihre Zukunft selbstbestimmt gestalten,
Verantwortung übernehmen und sich freiwillig engagieren können,
brauchen sie eine verlässliche gesundheitliche Versorgung.

Dazu gehört auch ein gut erreichbares psychotherapeutisches Angebot.
Psychotherapie ist keine freiwillige Zusatzleistung, sondern ein zentraler
Bestandteil unseres Gesundheitssystems.

Kinder und Jugendliche brauchen außerdem Erwachsene, die Unterstützung
erhalten, wenn sie an ihre Grenzen kommen. Es darf nicht ihre Aufgabe sein,
die psychischen Belastungen ihrer Eltern aufzufangen oder deren Krisen
mitzutragen. Ein funktionierender Sozialstaat muss deshalb gewährleisten,
dass Menschen mit psychischen Erkrankungen schnell und bedarfsgerecht
Zugang zu therapeutischer Hilfe erhalten.

Unbehandelte psychische Erkrankungen können sich verfestigen und
weitreichende Folgen für Bildung, Ausbildung, Beruf und das gesamte
weitere Leben haben. Einsparungen an dieser Stelle treffen deshalb nicht
nur einzelne Praxen oder Patient*innen, sie treffen unsere Gesellschaft
insgesamt.

Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen, die Auswirkungen des
Gesetzes sorgfältig zu überprüfen und die Erfahrungen aus der Praxis ernst
zu nehmen. Menschen, die täglich mit psychischen Erkrankungen arbeiten
oder selbst auf therapeutische Unterstützung angewiesen sind, müssen bei
politischen Entscheidungen gehört werden

Psychische Gesundheit ist keine Stellschraube zur Haushaltskonsolidierung.
Wer bei der Psychotherapie spart, spart am falschen Ende.