„malFREIzeit starten wir, Freiräume fordern wir…“

Unter diesem Slogan machten sich über 50 Mitglieder der Kolpingjugend im Bistum Münster, Teilnehmende der Frühjahrs-Diözesankonferenz, am Samstag (09.04.) auf den Weg nach Münster. Ihr Auftrag: den Platz in der Stubengasse zu einem großen Kreidegemälde verwandeln und mit einer Vielzahl kleiner Aktionen, Spiel und Spaß auf ein wichtiges Thema, nämlich mehr Freiräume für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, aufmerksam zu machen. Ziel erreicht, resümieren die Organisatoren der bunten Demonstration.

Kolpingjugend macht mobil gegen Verschulungen und zu wenig Platz zur Entfaltung / Im Herbst Podiumsdiskussion mit Politikern

Bereits im vergangenen Jahr hat sich die Kolpingjugend im Bistum Münster mit dem Thema „Freiräume“ auseinandergesetzt und dem „Bündnis für Freiräume“, einer Initiative des Landesjugendrings, angeschlossen. Mit ihrer Straßenmalaktion unter dem Slogan „malFREIzeit“ wollte die Kolpingjugend die Thematik breit streuen, Passantinnen und Passanten auf das Thema aufmerksam machen und öffentlichkeitswirksam für die Dringlichkeit des Themas sensibilisieren.

„Es bedarf Entschleunigung in der Aus- und Weiterbildung junger Menschen um sich an den Bedürfnissen der Lernenden zu orientieren. Hier fordert die Kolpingjugend mehr Freiraum zur Individualisierung. Im Kontext der Zunahme verkürzter Bildungsgänge ist eine Anpassung des Lernstoffs und eine Stärkung der Lernfreiheit unerlässlich“, so Christina Huster (Coesfeld) als verantwortliche Diözesanleiterin.

Kinder und Jugendliche brauchen Zeit. So muss eine 35-Stunden-Woche für Unterricht und Hausarbeiten das Maximum sein. Lennart Potthoff (Rosendahl-Darfeld), Leiter des Organisationsteams für die Aktion, ergänzt ein weiteres Problem aus eigener Erfahrung in der ehrenamtlichen Jugendarbeit: „Um überhaupt Angebote von Jugendverbänden in der Kinder- und Jugendarbeit, wie etwa Ferienfreizeiten, durchführen zu können, muss die vorlesungsfreie Zeit in die Sommerferien fallen.“

Freiräume

Im öffentlichen Raum müssen junge Menschen anerkannt und akzeptiert sein. Sie benötigen Platz um sich frei entfalten zu können. Hierfür bedarf es der Bereitstellung von Räumlichkeiten die mit und für Jugendliche gestaltet werden. „Platz zum Ausleben von Jugendkultur. Dafür steht das Bemalen des Platzes in der Stubengasse, den wir mit Straßenkreide als unseren Freiraum sinnbildlich markiert haben“, zieht Huster ein positives Fazit der Aktion. „In wenigen Stunden war der größte Teil des Stubengassenplatzes mit unterschiedlichsten Kreidebildern gefüllt“, berichtet sie von der Vielfalt an Motiven und Kreativität der Teilnehmenden.

Mitglieder der Kolpingjugend aber auch Passantinnen und Passanten, Jung und Alt, vergnügten sich mit der Darstellung eigener bunter Motive auf grauem Stein. Begleitet durch verschiedenste Kleinaktionen, wie Bobby Car-Rennen, das Angebot zum Seilspringen oder jeder Menge Seifenblasen, sorgten neben dem eigentlichen Malen zusätzlich für ein buntes Treiben. Spiel und Spaß mit Relikten aus Kindertagen, in denen Freiheiten und Freiräume noch selbstverständlich waren,

„Diese Freiräume waren Motivation für Passanten, mit uns über die vielfältigen Facetten dieser Thematik ins Gespräch zu kommen – und das hat geklappt!“ Christina Huster zieht begeistert zum Schluss der öffentlichen Veranstaltung dieses Fazit.

Lennart Potthoff ergänzt: „Von der Aktion haben sich fast alle Altersgruppen ansprechen lassen, Jugendliche und junge Familien, ebenso wie ältere Generationen. Viele hatten Verständnis und konnten eigene Erfahrungen mit fehlenden Freiräumen junger Menschen ins Gespräch einbringen.“

Resümee: Schleunigst entschleunigen!

Gleichwohl hätte es auch kritische Diskussionen und Auseinandersetzungen gegeben, ob es wirklich ein so drängendes Thema sei und diese Veranstaltung der richtige Rahmen zur Auseinandersetzung. Bei aller Kontroverse seien die Forderungen der Kolpingjugend aber vor allem auf Verständnis gestoßen: „Gerade diese Gespräche haben die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Thematik deutlich gemacht“, ergänzt Potthoff. „Wir müssen schleunigst den Alltag von jungen Menschen entschleunigen sowie Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mehr Zeit, Raum und konkrete Plätze geben um sich frei entfalten zu können!“, fasst Christina Huster die Forderungen zusammen. Auf die Situation junger Menschen aufmerksam zu machen sei der erste Schritt zur Mobilisierung von Betroffenen und Verantwortlichen auf dem Weg zu Verbesserungen.

Mit einer innovativ gestalteten Podiumsdiskussion ist im Herbst diesen Jahres bereits die nächste Veranstaltung der Kolpingjugend zum Thema Freiräume geplant. Nach der öffentlichkeitsorientierten „malFREIzeit“ will die Kolpingjugend die Forderungen und Möglichkeiten zur Umsetzung mit politischen Verantwortungsträgern diskutieren.

Hintergrund zum Bündnis für Freiräume

Im Herbst 2013 haben die Jugendverbände den Landesjugendring NRW beauftragt, ein „Bündnis für Freiräume“ zu initiieren. Die Notwendigkeit, sich für mehr Freiräume einzusetzen, ergibt sich aus den alltäglichen Erfahrungen der Jugendlichen, die auch die Jugendverbände spüren. In der jugendpolitischen Initiative umdenken – jungdenken! Frische Ideen für NRW des Landesjugendrings NRW haben junge Menschen darüber hinaus sehr deutlich formuliert, dass sie mehr Freiräume brauchen und wollen.

Mehr Informationen zu den Forderungen und zum Bündnis für Freiräume: www.buendnis-fuer-freiraeume.de

Bilder: Maximiliane Rösner

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