Woran erkennt man eigentlich…
Kommentar eines Bäckers

Im letzten Monat feierten viele Kolpingsfamilien in Gedenken an den heiligen Josef, den Handwerker aus Nazareth, und in der Tradition des Kolpingwerkes als ursprünglichen Gesellenverein, das Josefschutzfest. Aber Handwerk, was ist das eigentlich? Was macht Handwerk aus? Woran erkennt man eigentlich ein gutes, handwerklich hergestelltes Produkt?

Mein Name ist Michael König und ich komme aus der Kolpingjugend Ascheberg. Ich arbeite mit „Laib“ und Seele  als Bäcker in einer mittelständischen Handwerksbäckerei im Münsterland. Wie den Meisten aus meiner Zunft,  ist auch mir dieses Jahr eine Werbekampagne eines großen Discounters sehr auf den Magen geschlagen. Auch bei anderen Handwerken und vielen Personen in meinem Umfeld, haben die Anzeigen und Werbespots keine positiven Reaktionen ausgelöst, aber jeder hat darüber gesprochen und so ist diese Kampagne leider gut gemacht und irgendwie ein Erfolg. Natürlich braucht man für eine Brotwerbung keine goldenen Weizenfelder, genauso wenig einen bekannten Formel 1 Piloten für ein Shampoo. Aber Werbung ist nun mal Werbung und so funktioniert zumindest dieser Teil der Aufmerksamkeitserregung ganz gut.

Aber woran erkenne ich jetzt eigentlich gutes Brot? Was ist ein gutes Handwerksprodukt? Bleiben wir zunächst bei einem Brot. Wer zu Hause ein Brot backt, braucht Mehl, Wasser, Hefe, Salz und Sauerteig. Genau so funktioniert das in der Bäckerei auch. Nur mit dem Unterschied, dass der Bäcker vielleicht 50 Brote backt anstatt eins. Dabei arbeitet er mit den gleichen Rohstoffen, die natürlichen Ursprungs sind und standesgemäß Schwankungen unterliegen: Die neue Lieferung Roggenmehl nimmt mehr Wasser auf als die alte, der Sauerteig hatte eine Stunde mehr Reifezeit oder In der Backstube sind diese Woche auf einmal 30°C und nicht mehr 24°C. Dies und noch vieles mehr sind Faktoren, die das fertige Brot stark beeinflussen können. Dem guten Handwerksbäcker ist dies bewusst und er kann entsprechend reagieren. Die Kundin möchte schließlich wieder das gleiche Broterlebnis zu Hause haben wie in der letzten Woche. Die Industrie hingegen produziert aber auch gerne mal 5.000 oder 50.000 Brote der gleichen Sorte am Tag. Diese großen Mengen machen übrigens auch diese unverschämten Preise möglich. Da geht das frische Roggenmehl vor dem Ausladen aus dem LKW erst ins betriebseigene Labor, entspricht es nicht den Vorgaben, wird es gar nicht erst abgeladen. Und zu warm in der Backstube? Die meisten Betriebe arbeiten vollklimatisiert und wenige sogar mit komplett keimfreien Räumen mit Luftaustausch, in denen Brot verpackt wird – von der Teigmaschine bis in die Tüte ohne eine Berührung durch Menschen. Wo sind da Liebe zum Beruf, Herzblut für gute Produkte, das Handgemachte und ein Funke Individualität?

Nun stellt sich die Frage, wo man nun sein Brot kaufen sollte. Meiner Meinung nach ist das eine Einstellungssache und die gilt nicht nur für Brot und Brötchen. Kaufe ich ein Shirt „Made in Bangladesch“, die Schrankwand zum „Selberschrauben“ oder höre ich mich nach fairen Alternativen um? Konsumiere ich kritisch und sind mir Herstellung wichtig oder eigentlich doch egal?

Ich habe auch schon hinter der Theke gestanden und Brot und Brötchen verkauft. Das „Brötchen holen“ gehört bei den Meisten zum täglichen Tagesablauf, mit einem netten „Guten Morgen Herr Maier!“ startet es sich doch schon super in den Tag. Außerdem wird man hier bestens beraten – wenig Kohlenhydrate, bitte Dinkel, was Fettiges zum Sattwerden, ein Energiespender vor der wichtigen Klausur? Kein Thema! „Am Samstag steht eine Grillparty mit 15 Personen an – was passt am besten zu meinen Dips und meinem Fleisch und wie viel brauch ich?“ oder „Mein Arbeitskollege hat ein Haus gebaut, ich möchte ihm zum Einzug ein Brot schenken mit Ähre, Salz und Groschen drauf.“ – beim Handwerksbäcker kein Problem.

Warum also nicht die örtliche Wirtschaft unterstützen und beim nächsten Mal vor der „Frischetheke“ im Discounter einfach mal kurz überlegen, was für Dich „gutes Brot“ ist und ob sich nicht doch ein Abstecher in die nächste Bäckerei lohnt, mich und meine Kolleginnen und Kollegen würde es sehr freuen!

Michael König ist Bäckermeister und seit 2005 Mitglied der Kolpingjugend in der Kolpingsfamilie Ascheberg. Der 24-jährige ist Leiter seiner Kolpingjugend, Regionalverantwortlicher für die Region Südkreis Coesfeld sowie Mitglied im Diözesanausschuss der Kolpingjugend Diözesanverband Münster.

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