Früher war alles besser!

Kommentar der Kolpingjugend Deutschland

Oft hört man diesen Spruch oder ertappt sich selbst dabei, dass man ihn sagt. Aber stimmt er wirklich? War früher alles besser?

Das Leben von Kindern und Jugendlichen in der heutigen Zeit ist geprägt von Schnelllebigkeit, Multioptionalität und Erwartungsdruck von vielen Seiten. Bereits in frühen Jahren müssen sie wichtige Lebensentscheidungen treffen und sind dabei leider in vielen Fällen auf sich alleine gestellt. Im Vergleich zu diesen heutigen Rahmenbedingungen war das Leben früher deutlich unkomplizierter: Der Radius, in dem man sich bewegte war kleiner, die Kommunikation langsamer und der Kontakt zu seinen Mitmenschen persönlicher. Über richtig und falsch musste man sich als junger Mensch kaum Gedanken machen, Werte wurden von den Eltern und Lehrerinnen und Lehrern vorgelebt und übernommen.

Doch anstatt vergangene Zeiten zu verklären und tatenlos zuzusehen, wie die Rahmenbedingungen für nachfolgende Generationen immer schwieriger werden, sollten wir als junge Generationen der heutigen Zeit aufstehen und handeln. Wir können dafür sorgen, dass unsere Kinder und Enkelkinder keinen Grund mehr haben, abgedroschene Sprichworte wie den Titel dieses Kommentars zu benutzen. Der Schlüssel dazu ist weithin bekannt und fast schon so alt, wie das Sprichwort selbst: Generationengerechtigkeit! Setzen wir uns gemeinsam dafür ein, dass unsere Kinder und Enkelkinder über die gleichen Lebensbedingungen, Chancen und Möglichkeiten verfügen, wie wir sie heute haben.

Auf der letzten BDKJ-Hauptversammlung wurde der Antrag „U28 – Die Zukunft lacht“ beschlossen. In dem Antrag fordert der BDKJ mit seinen Mitglieds- und Diözesanverbänden Politikerinnen und Politiker dazu auf, sich bei jeder Entscheidung bewusst zu machen, welche Auswirkungen diese für die kommenden Generationen hat. Politik muss nachhaltiger werden, egal ob es um den Ausbau regenerativer Energien, die Bildungspolitik oder um die Aufstellung des Haushaltsplans geht. Politische Entscheidungen dürfen nicht primär die nächste Wahl im Blick haben.

Doch die Verantwortung für Generationengerechtigkeit nur auf die Parlamente abzuwälzen, wäre zu einfach. Auch wir selbst müssen unseren Beitrag leisten. Unsere Lebensweise und unsere Entscheidungen müssen immer die Auswirkungen auf nachfolgende Generationen im Blick haben. So sollten wir uns zum Beispiel häufiger die Frage stellen, wie wir mit natürlichen Ressourcen umgehen. Bei einer breiten Beteiligung ist es gar nicht so schwer, ein sichtbares Resultat zu erreichen – Viele kleine Tropfen höhlen bekanntlich auf Dauer jeden Stein!

Mülltrennung ermöglicht die Wiederverwendung von Verpackungsmaterial und alten Zeitschriften, fair gehandelte Produkte erlauben auch den Menschen in der Erzeugerländern ein menschenwürdiges Leben, der Kauf von regionalem und saisonalem Obst und Gemüse macht langwierige und energieaufwendige Transporte überflüssig, ein menschenleeres Zimmer braucht keine Beleuchtung und Bus, Bahn oder Fahrrad sparen nicht nur Benzin, sondern häufig auch Nerven.

Viele kleine Änderungen im Lebensstil verlangen dem Einzelnen kaum eine große Anstrengung ab, können aber in der Summe einiges bewegen. Auf diese Weise können wir gemeinsam dazu beitragen, die Welt den nachfolgenden Generationen in einem guten Zustand zu übergehen.

Daher mein Appell zum Abschluss: Denkt bei Euren Entscheidungen nicht nur an Heute! Habt Morgen im Blick, damit unsere Enkelkinder in der Zukunft keinen Grund mehr haben zu sagen: Früher war alles besser!

Renée Liening-Ewert

Die 27-jährige Hendungerin ist als Referendarin in einem Gymnasium beschäftigt und Mitglied im Bundes­arbeitskreis der Kolpingjugend Deutschland.

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